Film: Das Vermächtnis

“Yuigon: Genpatsu sae nakereba” (Das Vermächtnis: wenn es nur keine Atomkraft gäbe)

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Der  knapp vierstündige Film von dem Regisseur Toyota Naomi handelt von dem Dorf Iitatemura in der Präfektur Fukushima und seiner Evakuierung durch den Atomunfall.

Dieses Dorf lag zunächst außerhalb der 30 Kilometersperrzone. Im April 2011 wurde von der Regierung angeordnet, dass die Bewohner das Dorf verlassen sollten. Ein paar der Milchbauern, die dort ansässig waren, wurden in diesem Zeitraum, also kurz nach der Katastrophe bis in den Sommer (insgesamt ca. ein halbes Jahr) von dem Regisseur und seinem Kameramann, Noda Masaya, begleitet.

Der Film ist in fünf Abschnitte unterteilt: der erste Teil erzählt von der radioaktiven Verseuchung, von der die Bewohner erst zwei Wochen nach dem Unfall erfahren. Der Assistenzprofessor des Institut für Reaktorforschung (Universität Kyoto) Imanaka Tetsuji untersucht das Dorf auf seine Strahlenwerte. Die Bewohner erfahren erstmals von ihrer Situation. Die Bauern dürfen keines ihrer Produkte mehr verkaufen, sie kippen die Milch in ausgehobene Gruben abseits des Dorfes, denn sie ist zu stark belastet, als dass man sie trinken könnte. Nur die Katzen werden noch damit gefüttert, eine von ihnen verliert allerdings dadurch all ihre Kraft und wird immer dünner, vermutlich durch die hohe Strahlendosis.

Der zweite Teil ist die Entscheidung: Sie sind ratlos; mit der geringen Entschädigung, die sie bekommen haben, können sie gerade mal das Futter für die Kühe bezahlen. Diese wiederum bekommen nur die Hälfte ihrer eigentlichen Ration, sie magern mehr und mehr ab, bis sie schließlich notgedrungen geschlachtet werden müssen. Dann verlassen auch die Menschen das Dorf. Sie haben alles verloren, von ihren Bauernhöfen vertrieben landen sie zum Teil in vorübergehenden Notunterkünften oder suchen ihr Glück in anderen Städten wie Tokyo. Die Familien fallen auseinander.

Der dritte Teil: die Evakuierung der Bewohner schreitet voran. Die Zeit vergeht, das Gras wächst, die Blumen blühen, aber die Nadel des Geigerzählers schlägt unverändert aus. Die Ältesten verlassen das Dorf und verabschieden sich vor ihrem Hausaltar von ihren Vorfahren.

Der vierte Teil: im Sommer kommen die Bewohner zurück, um die Gräber zu pflegen und ihren Vorfahren die Ehre zu erweisen (Obon-Fest). Auch die Kinder dürfen mitkommen und das Haus der Großmutter besuchen. Sie laufen aufgeregt durch das Dorf und erzählen, was sie vor nicht allzu langer Zeit an dieser und jener Stelle gemacht haben, z.B. Fische gefangen und gegrillt.

Der fünfte Teil: ein paar der Bewohner halten die Strapazen nicht mehr aus, der Dorfälteste (102 Jahre alt) erkennt, dass er zu lange gelebt hat, und nimmt sich das Leben. Eine Großmutter übergibt sich freiwillig den Flammen. Und ein Bauer, 55 Jahre alt, Freund und Nachbar der Hauptprotagonisten, wird in einer Scheune erhängt aufgefunden, mit weißer Kreide schreibt er seine Abschiedsworte an die Holzwand: wenn es nur keine Atomkraft gäbe.

Die übrig gebliebenen Milchbauern schaffen es, sich eine neue Existenz in der Nachbarpräfektur aufzubauen. Sie haben wieder einen Stall mit vielen Kühen und das Leben geht endlich wieder weiter.

Wir dürfen nicht vergessen, wie viele Menschen nach wie vor in den Notunterkünften leben, wie viele niemals wieder in ihrer Heimat leben können, wie viele alles verloren haben. Auch wenn in Tokyo und in vielen anderen Städten alles wieder ist, als sei nie etwas geschehen, sind weite Teile Fukushimas für immer unbewohnbar. Auch wenn die Natur sich Stück für Stück zurückholt, was ihr gehört, ist das ein Trugbild, denn auch die Bäume leiden unter der Verstrahlung, genauso wie Insekten und überhaupt alle Lebewesen, die es auf der Erde gibt.

 

 

 

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