Untersuchungen auf Strahlenbelastung des Körpers auf eigene Kosten

Außerhalb von Fukushima übernimmt der Staat nicht die Kosten für Untersuchungen

Nach dem Atomunfall gibt es nun immer mehr Kommunen außerhalb von Fukushima, die sich organisieren, um die Bevölkerung auf Strahlenbelastung untersuchen zu können. Hintergrund dessen ist die Tatsache, dass auch im Hauptstadtgebiet an einigen Orten hohe Strahlung gemessen wurde. Aber da es sich nicht um die Präfektur Fukushima handelt, sind diese Gebiete von staatlicher Unterstützung ausgeschlossen.

Die Mütter und die Verbraucherinitiative Jôsô in der Präfektur Ibaraki (Moriya City) haben im letzten Jahr den Stiftungsverein für Kinder der Kantô-Region ins Leben gerufen. Ungefähr 22 000 Euro sind zusammen gekommen, wovon sie ein Ultraschallgerät kaufen konnten. Mit diesem Gerät können sich nun Kinder der Präfekturen Ibaraki und Chiba ein Mal pro Monat die Schilddrüsen untersuchen lassen. Drei Ärtze unterstützen die Unternehmung als Freiwillige.

Obwohl man ca. 8 Euro für eine Untersuchung zahlt, sind die Versammlungsorte bald voll von Menschen, selbst am Stadtrand, so Mieko Ogi, Vorsitzende des Vereins. Im Hauptstadtgebiet in Tochigi, in Nasumachi Yoriya oder Nasu Shiobara City sind auch in diesem Jahr wieder Werte von 0.30-0.40 μSv gemessen worden. Das erklärte Ziel ist es, nach der Dekontaminierung bei 0.23 μSv zu liegen. Neben Fukushima gibt es auch andere Orte, die eine hohe Strahlung aufweisen. Der Fonds soll in der Zukunft für viele andere Präfekturen bereitgestellt werden, so auch beispielsweise Tochigi.

Die Kommunen unterstützen die Unternehmung mit eigenen Geldern. Wenn ein Bürger sich aufgrund einer Erkrankung untersuchen lassen möchte, springen sie mit finanzieller Beihilfe ein.

In Nasu City, Tochigi, werden Kindern unter 18 Jahren die Untersuchungskosten in voller Höhe zugeschossen. In anderen Städten unterscheidet sich die Summe etwas.

In Fukushima ist die Regelung so, dass Kinder, die zum Zeitpunkt der Katastrophe unter 18 Jahre alt waren, nun kostenlos die Untersuchung erhalten können. Im Hauptstadtgebiet, wo es keine staatliche Unterstützung gibt, müssen sich die Kommunen und Privatpersonen notgedrungen selbst helfen.

Die Regierung hat bei der Kabinettsentscheidung im Oktober letzten Jahres zur Regelung der Unterstützung für die Katastrophenopfer nichts zur Gesundheitsuntersuchung außerhalb Fukushimas verlauten lassen. Obwohl es viele Stimmen gab, die für eine Untersuchung auch außerhalb Fukushimas waren, berief sich die Regierung im Februar letzten Jahres auf den Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem zufolge keine Gesundheitsschäden durch erhöhte Strahlenwerte zu erwarten seien.

Neun Bügermeister der Präfektur Chiba haben im vergangenen Oktober gleiche medizinische Vorsorge für Kinder und Schwangere vom Ministerium für Wiederaufbau gefordert, wie sie in Fukushima bereitgestellt wird. Doch darauf wurde nicht reagiert. Prof. (em.) Shôji Sawada, Universität Nagoya, sagt dazu: “Es könnte sein, dass der Staat fürchtet, die Kosten für die Untersuchung würden explodieren. Es gibt durchaus Menschen, die schon bei geringer Strahlenbelastung Schaden erleiden. Die Kommunen, die überhaupt keine Schuld an dem Unfall tragen, oder auch Freiwillige müssen nun für die Untersuchung sorgen. Dieser Zustand ist eine klare Flucht des Staates vor ihrer Verantwortung.”

Eine kleine Hoffnung gibt es dennoch – eine Fachkonferenz zur Gesundheitsvorsorge des Umweltministeriums überprüft die beschlossenen Maßnahmen und soll bis Mitte dieses Jahres ihre Ergebnisse veröffentlichen.

Aber auch bei dieser Konferenz gibt es einen faden Beigeschmack. Der Vorsitzende Shigenobu Nagataki, Professor (em.) an der Nagasaki Universität, sagte bei einer Versammlung im Dezember 2013: “Es gibt keinen Grund zur Sorge über radioaktive Belastung der Nachbarpräfekturen.” Schließlich hätte man im März 2011 in Fukushima eine Schilddrüsenuntersuchung durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass alle Personen unterhalb der Richtwerte der Kommission für nukleare Sicherheit (NRA) liegen.

Eine Frau aus Musashi Murayama, Tokyo, die im Publikum saß, ist erschrocken: “(Auf der Grundlage von den Daten aus Fukushima) bestimmt man also das Risiko und den Grad der Notwendigkeit von Gesundheitsuntersuchungen in den Nachbarpräfekturen. Man hat also von Anfang an nicht mal daran gedacht, außerhalb Fukushimas solche Untersuchungen zu machen…”(Tokyo Shimbun, 22.4.2014 Morgenausgabe S.1)

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One comment

  1. Und wieder wird die Krebsrate ansteigen, irgendwann wird wohl der Zeitpunkt kommen an dem nahezu alle Menschen an Krebs sterben werden. Dazu sind wir also im Stande. Lang lebe die Menschheit!

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