Durchschnittlich 7 mSv – Der Fall Iitatemura (Teil 2)

In diesem Monat fand ein Symposium zu dem Atomunfall und seinen Auswirkungen auf Iitatemura in Tokyo statt. Dort sprach der Assistenzprofessor Tetsuji Imanaka (63) vom Institut für Reaktorforschung, Kyoto Universität, der seine Untersuchungsergebnisse zu der Strahlenbelastung direkt nach dem Unfall vorstellte.

Imanaka ging am 28. März 2011 mit einem Forschungsteam nach Iitatemura, denn: “ich hatte zu Ohren bekommen, dass der Zustand in Iitatemura sehr ernst ist. Von der Regierung gab es keine Daten, daher entschloss ich mich, den Fall zu untersuchen.” Das Team kam unteranderem anhand von Erdproben zu einer genauen Einschätzung der Verstrahlung.

Bedenkt man die Zeit und Mühe, die so eine Untersuchung kostet, wird klar, wie schwierig es ist, zu einem umfassenden Ergebnis zu gelangen. Da kamen dem Forschungsteam die Daten der USA zu Hilfe. Die amerikanische Nationale Verwaltung für nukleare Sicherheit hatte seit Mitte März per Flugzeug die genaue Verbreitung von Cäsium 137 registriert und im Internet veröffentlicht.

Auf der Grundlage dieser Daten fertigte das Forschungsteam eine Karte der Verbreitung von Cäsium 137 an. Darüber hinaus analysierten sie die Erdproben und stellten fest, in welchem Verhältnis radioaktive Stoffe vorhanden waren.

Die Belastung der Einwohner wurde festgestellt, indem das Team nachverfolgte, wie sich jeder einzelne außerhalb seiner Wohnstätte bewegte. Diese Untersuchung dauerte noch an, nachdem die Evakuierung stattgefunden hatte; die Forscher besuchten die mittlerweile Geflüchteten in ihren vorläufigen Unterkünften. An der Untersuchung nahmen 30% der Bewohner Iitatemuras teil, insgesamt 1812 Personen. Es gab wenig Voreingenommenheit, sodass die Studie gut die allgemeinen Alterschichten in dem Dorf widerspiegelt.

An Hand dieser Daten konnte das Forschungsteam feststellen, dass die durchschnittliche Belastung in den vier Monaten nach dem Unfall pro Person ungefähr 7 mSv betrug.

Die Präfektur Fukushima untersucht derweil auch die Belastung der Einwohner. Die Methoden sind ähnlich denen des Teams um Imanaka. Die Zahl wird berechnet mit Hilfe der staatlichen Daten und den Aufzeichnungen der Bewegung der Bewohner. Bisher wurden Ergebnisse für 3000 Dorfbewohner bekannt gegeben. Die durchschnittliche Belastung wird von der Präfektur mit 3,6 mSv beziffert.

Imanaka sagt dazu: “Die Regierung will mit Absicht undurchsichtig bleiben. Sie haben andere Daten als wir verwendet. Unsere Untersuchung hat in so fern eine große Bedeutung, als dass wir als unabhängiges Expertenteam agieren.”

Die Belastungswerte von Hasegawa stimmen mit den Ergebnissen von Imanaka überein. Seine Werte sind sehr viel höher als die der anderen Bewohner; 13,4 mSv. Hasegawa glaubt den Ergebnissen der Präfektur nicht – der Grund hierfür ist wohl offensichtlich.

“Die Regierung will sich ihrer Verantwortung entziehen, deshalb lassen sie die Werte kleiner erscheinen. Auch wenn wir ihnen unsere Aufzeichnungen über unsere Bewegung außerhalb der Häuser geben, bezweifle ich, dass sie diese richtig auswerten. Ich vertraue auf Professor Imanaka, er kennt die Gefahren der Strahlung und weiß sie zu bewerten. Selbst wenn hierbei hohe Werte herauskommen sollten, es ist nunmal die Wahrheit und das müssen wir akzeptieren”, so Hasegawa. (Tokyo Shimbun, 12.5.2014 Morgenausgabe S.21)

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: