Dem Schilddrüsenkrebs auf den Fersen (Teil 1)

Die Untersuchungskommission ist sich einig: “Es ist schwer vorstellbar, dass die Fälle von Schilddrüsenkrebs, die wir derzeit haben, mit dem Atomunfall in Fukushima zusammenhängen.” So lautet die Veröffentlichung einer Untersuchung der medizinischen Universität Fukushima der Präfektur. Jedoch lässt der Fachgebietsleiter der Kommission, Prof. Kazuo Kiyomizu (Nippon Medical School) daran Zweifel verlauten: “Die genauen Ursachen und ihre Wirkung wurden in der Untersuchung nicht gründlich erforscht.” Bei den jüngsten Versammlungen üben mehr und mehr Kommissionsmitglieder Kritik an dem schnellen, dafür ungenauen Urteil der Universität. Wird sich die Tendenz zu vorgefertigten Schlussfolgerungen wohl ändern?

Untersuchung der Präfekureinwohner – Anzeichen eines Wandels

“Die Argumentation der Kommissionsmitglieder ist zu flach. Es existieren keine Daten. Wir müssen von vorn beginnen – was ist überhaupt nötig, um Ursache und Wirkung zu erkennen?”, so erläutert es der Fachgebietsleiter Prof. Kiyomizu auf einer Pressekonferenz nach einer Versammlung.

Bei den Untersuchungen, welche die Universität der Präfektur durchführt, wurden bisher 50 Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Kindern nachgewiesen. Ein Verdacht besteht bei 39 weiteren Personen. Wie diese Ergebnisse bewerten werden sollen, darüber denkt die Untersuchungskommission nach. Den konkreten Inhalt diskutieren dann die einzelnen Fachgebietsversammlungen.

Die Kommission und die Fachgebiete haben bisher erklärt, dass “der Krebs, den wir jetzt entdecken, wahrscheinlich nichts mit der Katastrophe von Fukushima zu tun hat”.

Die wichtigsten Argumente für diese Annahme sind:

• die gesundheitsgefährdende Menge von 100 mSv wird nicht erreicht

• Schilddrüsenkrebs entwickelt sich nur langsam; der Krebs, der gegenwärtig entdeckt wird, hat sich schon lange vorher gebildet

• Nach Tschernobyl wurde Schilddrüsenkrebs erstmals nach vier Jahren festgestellt etc.

Auf der Internetseite der Universität steht der Wortlaut des o.g. Zitats – jedoch melden sich nun vermehrt Kommissionsmitglieder, die Zweifel erkennen lassen. Zudem gibt es viele Beschwerden über unzureichendes Bekanntgeben der Informationen.

Prof. Kiyomizu hatte bereits im Mai die Harmloskeit von 100 mSv in Frage gestellt. Dem schließt sich die Kritik von Shôichiro Tsugane, Leiter des staatlichen Krebszentrums, an. Man müsse je nach der Menge der Strahlung den Verlauf der Krebserkrankung untersuchen und bewerten.

Zudem reichen die Datenmengen zu der exakten Einschätzung Strahlenbelastung nicht aus. Die Universität hatte nach dem Atomunfall für vier Monate die Strahlungswerte der Katastrophenopfer gemessen. Das Höchstmaß an Belastung wurde bei 66 mSv festgestellt, jedoch war die Teilnahmerate an der Untersuchung gerade einmal 25,9%. Akira Isaka, Berater des Ärtzeverbands Futaba, betont: “mit einer Teilnahmequote von weniger als 60% möchten wir uns nicht zufrieden geben”.

Mehr noch – die medizinische Universität Fukushima betrachtete bei ihrer Untersuchung nur die äußere Strahlung, allerdings wird Schilddrüsenkrebs von innerer Strahlung (radioaktives Jod) verursacht. Prof. Shinji Tokonami von der Hirosaki Universität hat auf diesen Umstand hingewiesen und fordert eine Untersuchung der Strahlungswerte durch innere Exposition (radioaktives Jod). (Tokyo Shimbun, 15.6.2014 Morgenausgabe S.28)

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