Mehr als 5 t Eis täglich

Das schwierige Unterfangen mit der Eiswand im AKW Fukushima I

Die Beseitigung des stark belasteten Wassers in den Tunneln unterhalb des Atomkraftwerks Fukushima I ist zum Problem geworden. Seit dem 28. Juli pumpt Tepco Eis und Trockeneis in die Tunnel, um das Wasser zu gefrieren. Es soll eine Wand aus Eis zwischen dem Turbinenhaus Nummer 2 und den Tunneln entstehen.

Der Wasserfluss unter dem Turbinengebäude muss gestoppt und das belastete Wasser entfernt werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass es erneut in den Pazifik fließt. Der bisherige Plan sah vor, in die Tunnel Lehmsäcke zu stellen, Kühlflüssigkeit zirkulieren zu lassen und das übrige Wasser zu gefrieren, um somit das belastete Wasser entfernen und schließlich die Tunnel mit Zement füllen zu können.

Seitdem die Arbeiten im April diesen Jahres begannen, blieb die Situation instabil; entweder gefror nur ein Teil, oder das bereits gefrorene Eis schmolz wieder. Da allerdings keine Abschottung ohne eine komplette Eiswand möglich ist, hat sich die NRA (Atomaufsichtsbehörde) auf einen Ersatzplan geeinigt.

Bei dem Expertentreff der Beauftragten am 23. Juli hatte Tepco vorgerechnet, dass ein Absenken der Temperatur des belasteten Wassers von 15º C auf 5º C dazu führen würde, alles Wasser gefrieren zu können.

Wenn man über die Öffnungen im oberen Teil des Tunnels täglich 5,4 t Eis und 1 t Trockeneis einspeisen würde, sänke die Wassertemperatur ausreichend, zudem könnten vier weitere Rohre mit Kühlflüssigkeit installiert werden. Durch diese Maßnahmen wäre eine Lösung des Problems möglich.

Sollte dennoch nicht alles gleichmäßig gefrieren, so ist ab Ende August geplant, diese Teile mit Zement zu befüllen. Da aber Zement, nachdem er getrocknet ist, nicht mehr zurückgängig zu machen ist, will Tepco diese Strategie erst anwenden, wenn nichts anderes mehr hilft.

Bei dem Treff hatte ein Beauftragter der NRA, Toyoshi Fuketa, sich Tepco gegenüber geäußert, dass “zwar diese Methode sehr primitiv ist, aber das Machbare so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt werden sollte. Bis zum Obonfest (Ahnenfest, Mitte August) möchte ich gute Neuigkeiten hören.”

Am 23. Juli hatte Tepco bekannt gegeben, dass sich unter den Tanks, in denen das verseuchte Wasser aus den Kühlbecken gelagert wird, gebrauchte Modelle befinden. Über diese Tatsache hatte Tepco bisher nicht informiert. Die betreffenden Stahltanks werden mit Bolzen verbunden, wobei genau diese Bolzen die Schwachstelle der Konstruktion darstellen. Laut Tepco sind derzeit 332 Stück diesen Typs in Gebrauch und es ist unklar, wieviele davon aus zweiter Hand sind.

Im August letzten Jahres sind aus einem dieser Tanks mehr als 300 t Wasser ausgetreten. Der Tank war zwar abgeblich ein neues Modell, aber auch bei anderen Tanks wurden an den Verbindungsteilen Lecks festgestellt.

Die gebrauchten Tanks wurden kurz nach dem Unfall angeschafft. Durch die andauernde Kühlung der Reaktorkerne nahm die Zahl der benötigten Tanks stetig zu. Um auf die große Nachfrage zu reagieren, lieferte der Hersteller auch solche, die zuvor als Leasing-Modelle gedient hatten.

Tepco betont, die Dichtungen der Verbindungsteile erneuert zu haben und daher sicher gewesen zu sein, auch gebrauchte Tanks ohne Probleme benutzen zu können. Nur kann es sein, dass durch den Auf- und Abbau Verkrümmungen an den Bolzen entstehen.

Die Wahl fiel auf diese Tanks, weil sie wegen der schnellen Montage und der einfachen Demontage am besten erschienen. Aber durch die im letzten Sommer bekannt gewordenen vielfachen Lecks hat die Regierung das Austauschen der betroffenen Tanks durch stabilere Varianten angeordnet. (Tokyo Shimbun, 24.7.2014 Morgenausgabe S.2)

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