Strahlung in der Bucht von Tokyo

Seit dem Atomunfall in Fukushima I sind drei Jahre und sieben Monate vergangen. Wie steht es um die Strahlung in der Bucht von Tokyo? Die Tokyo-Zeitung hat im September mit der Unterstützung von dem Juniorprofessor Shinzo Kimura (Dokkyo Medical University) den Meeresgrund und das Wasser untersucht. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Verschmutzung auf offener See gering war, wohingegen viel Radioaktivität an den Flussmündungen in der Tokyoer Bucht gefunden wurde. Juniorprofessor Kimura betont, dass eine regelmäßige Überprüfung einschließlich der Fische erforderlich sei.

Die Untersuchung fand am 6. und 7. September statt, wobei neun Punkte, unter anderem die Mündungen der wichtigsten Flüsse in Tokyo, auf ihre Cäsiumkonzentration untersucht wurden. An acht Stellen, wo das Wasser eine hohe Konzentration aufwies, wurden am nächsten Tag Bodenproben entnommen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die offene See mit höchstens mehreren zehn Becquerel pro Kilo gering belastet ist; die Flussmündung des Hanami-Flusses in Chiba hingegen lokal eine Cäsiumbelastung bis zu 1.189 Becquerel aufweist. Der Arakawa-Fluss in Tokyo liegt bei einem Wert um 167-398 Becquerel, der Tama-Fluss an der Grenze zwischen Tokyo und Kanagawa ist mit 89-135 Becquerel belastet. Für das Meerwasser nahe der getesteten Bodenproben konnte keine radioaktive Strahlung dokumentiert werden. Die hohen Werte beim Hanami-Fluss wurden vor allem an den Senken gefunden, an den Stellen im Oberlauf. Von dort an, wo das Wasser in die offene See fließt, fielen die Werte bedeutend ab. An den Mündungen des Arakawa-Flusses und des Tama-Flusses ist das ganze Gebiet weitläufig belastet.

Es gibt zwar Regularien für die radioaktive Strahlung in Speisefischen (weniger als 100 Becquerel pro 1 kg), aber nicht für den Meeresgrund. Selbst im Meer rund um das AKW Fukushima I weisen nur 22 von durch die NRA bekanntgegebenen 75 Punkten mehr als 100 Becquerel auf. Allerdings muss hervorgehoben werden, dass dort, wo der Fluss auf das Meer trifft, sich das Cäsium aus dem Oberlauf auf den Grund niederschlägt und sich leichter ansammelt. Bei dieser Untersuchung konnte festgestellt werden, dass selbst in der über 200 km entfernten Bucht von Tokyo ein Strahlungslevel herrscht, bei dem Vorsicht geboten ist.

Auch von staatlicher Seite wird die Bucht regelmäßig überwacht. Abgesehen von Kisarazu (Präfektur Chiba), liegen alle Probepunkte im offenen Meer. Auf Nachfrage an das Umweltministerium, warum man die Flussmündungen nicht untersuche, wurde folgende Antwort gegeben: “Wir gehen den Punkten nach, an denen wir schon bereits vor dem Unfall schädliche Substanzen gefunden haben. Wenn die einzelnen Kommunalverwaltungen mehr Untersuchungen wollen, werden wir uns an der Nachfrage ausrichten und die Proben ausweiten. Allerdings können wir nicht die Messpunkte ins Endlose vervielfachen.”

Obwohl die hohen Werte Anlass zur Sorge geben; das Fischereiamt hat in diesem Jahr nur bei einer Stichprobe von Muscheln mehr als 3 Becquerel gefunden. An der Mündung des Hanami-Flusses wurde ein Blutmund-Grundel mit einem Höchstwert von knapp 8 Becquerel gefangen, die sonstigen Fänge wiesen keine Radioaktivität auf. Es scheint, dass aus Sicht der Verbraucher  keine Gefahr besteht.

Juniorprofessor Kimura äußert sich über die Ergebnisse der Untersuchung wie folgt: “Ich hatte vermutet, dass auch das Flachland Tokyo betroffen sei von der Verschmutzung. Natürlich müssten dann auch die Flüsse betroffen sein, und gerade an den Mündungen würden sich sicherlich die radioaktiven Substanzen sammeln. Diese Vermutung ist nun bestätigt. Gerade an diesen Stellen jedoch gibt es reiche Ökosysteme, und es ist zu befürchten, dass sich die radioaktiven Substanzen in den Lebenwesen konzentrieren. Daher sollte nicht nur das Wasser und der Boden kontrolliert werden, sondern auch die Fische.” (Tsuyoshi Yamakawa, Kôshi Ôno Tokyo Shimbun, 13.10.2014 Morgenausgabe S.1)

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