Keine Anweisungen von der NRA – trotz hoch belastetem Abwasser

Nach Recherchen der Tokyo-Zeitung wurde am 25. Februar bekannt, dass die NRA (Nuclear Regulation Authority) bereits im November 2013 von dem hochradioaktiven Abwasserfluss in den Pazifik aus dem AKW Fukushima I unterrichtet war. Trotz der vorliegenden Informationen ordnete die NRA keinerlei Maßnahmen (z.B. eine Erneuerung des Abflussgrabens) an, um die Kontaminierung zu stoppen. Auch jetzt noch fließt hoch belastetes Wasser in den Pazifik.

Bereits im November 2013 hatte Tepco der NRA gemeldet, dass mit Cäsium etc. belastetes, hochradioaktives Abwasser durch den Abflusskanal K fließt. Die Messungen seit dem letzten Jahr April bestätigten, dass die gesetzlich erlassenen Grenzwerte überschritten wurden.

Die NRA hatte im Januar 2014 zunächst mit einer Debatte in der Arbeitsgruppe begonnen, im Februar darauf reichten sie schriftlich die Aufforderung ein, Tepco solle bis Ende März 2015 die Werte unter das festgesetzte Level senken. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe schlugen unter anderem vor, die Abflüsse der Rinnen auszutauschen, die das Wasser in den Hafen vor dem AKW leiten, oder auch das Wasser vor dem Ablassen ins Meer zu sammeln und zu kontrollieren.

Tepco allerdings hat sich daraufhin geäußert, dass das Problem in Bearbeitung sei und die Daten gerade erst ausgewertet werden. Zunächst sollen die Abwassergräben gesäubert werden, alle weiteren Vorschläge der Arbeitsgruppe sind derzeit mehr oder weniger vom Tisch.

Andererseits hat Tepco im April 2014 damit begonnen, ein Mal pro Woche die Wassermenge in den Kanälen und deren radioaktive Belastung zu messen. Tagtäglich fließt dort kontaminiertes Wasser entlang und bei Regen kann nun der genaue Anstieg der Konzentration erfasst werden.

Die NRA hat bisher keine Messergebnisse von Tepco verlangt; versucht auch nicht aus eigenem Antrieb zu erfassen, welche Maßnahmen Tepco ergriffen hat. Sie verweilt somit einfach in einer Warteposition. Im Ergebnis hatte die NRA keine Vorstellung von der genauen Sachlage, bis Tepco am 24. Februar die Daten der durchgesickerten Menge an radioaktivem Wasser bekannt gab.

Der Büroleiter für Maßnahmen gegen den Unfall, Shinji Kinjô , äußerte sich: „Tepco hatte uns gesagt, dass sie bei der Datenauswertung sind, und wir haben gewartet. Wir konnten bestätigen, dass sie die Grabenschultern abgedeckt und Dekontaminierungsarbeiten durchgeführt haben.“

Shunichi Tanaka, der Vorsitzende des NRA, äußerte sich am 25. Februar bei einer Pressekonferenz dazu: „ Es befindet sich unter anderem Regenwasser in den Gräben, das kann man nicht beeinflussen. Wir haben das Problem nicht aus dem Blickfeld verloren, wir haben es vielmehr bei unseren Zusammenkünften diskutiert. Es gibt hier kein Problem mit der Verantwortlichkeit der NRA.“

Der Generalsekretär des Kabinetts, Yoshihide Suga, hat bei einer Pressekonferenz am 25. Februar zu dem Problem Stellung genommen: „Die Kontamination des Meereswasser außerhalb des Hafens ist gering genug; sie liegt unterhalb der gesetzlichen Richtlinien. Die Auswirkungen kontaminierten Wassers sind ausreichend eingedämmt. Der Zustand ist unter Kontrolle.“ Die Regierung hat spätestens seit November 2013 gewusst, dass kontinuierlich belastetes Wasser in das Meer fließt, und gleichzeitig immer eventuelle Folgen abgestritten.

Premierminister Shinzo Abe hatte im September 2013 vor dem Internationalen Olympischen Komitee betont, dass alles „unter Kontrolle“ sei. Bei einer Plenarsitzung des Oberhauses im Oktober vergangenen Jahres nahm er die Aussage teilweise zurück und formulierte sie um: „im Großen und Ganzen ist die Situation unter Kontrolle.“

Yukio Edano, ehemaliger Generalsekretär des Kabinetts und derzeit Chefsekretär der DPJ, entgegnete darauf auf einer Pressekonferenz: „Nichts ist unter Kontrolle, das ist nun sicher. Das ist die Quittung dafür, dass das zuständige Ministerium für Wirtschaft und Industrie nicht anständig Aufsicht geführt hat. Ich werde sie verantwortlich machen bei den Parlamentsdiskussionen.“ (Tokyo Shimbun, 26.2.2015 Morgenausgabe S.1)

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One comment

  1. Dort war auch noch nie was unter Kontrolle.

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