Fukushima heute – ein Reisebericht (Teil 1)

Genau vier Jahre sind vergangen seit dem Erdbeben und der darauf folgenden Flutwelle, welche die Küstenregion im Nordosten Japans schwer verwüstete. Die Explosion des Kernkraftwerks Fukushima I hat einen Teil der Präfektur unbewohnbar gemacht. Doch Stück für Stück kommt die Normalität zurück, heute spürt man in vielen Gebieten nichts mehr von der Katastrophe. Abgesehen von dem Gebiet rund um das AKW, wo die Aufräumarbeiten nur langsam vorangehen.

Haben sich die Menschen mit ihrem Schicksal abgefunden? Kann man nach so einem Einschnitt überhaupt wieder ein normales Leben führen? Diesen und anderen Fragen werde ich nachgehen: Fukushima heute – der Bericht einer Reise von hayatori.

Der Atomunfall

Am Nachmittag des 11. März 2011 ereignete sich mit einer Magnitude von 9,0 das größte Erdbeben in der Geschichte Japans. Durch das Beben fiel in der Küstenregion der Strom aus, wodurch das Kühlsystem im AKW Fukushima I stehenblieb. Zum Zeitpunkt des Erdbebens waren von den insgesamt sechs Reaktoren Block 1 bis 3 in Betrieb, in Block 4 befanden sich die Brennelemente im Lagerbecken und die Blöcke 5 und 6, etwas höher gelegen als die anderen Reaktoren, waren auf Grund von Revisionen abgeschaltet. Die fehlende Stromversorgung wurde zunächst durch die Notstromdieselgeneratoren aufgefangen. Doch als die 14 m hohe Welle einige Zeit später eintraf, versagten 12 der 13 Generatoren. Die Keller, in denen sie standen, waren nicht für einen solchen Wassereinbruch ausgelegt. Durch die ausbleibende Kühlwassereinspeisung kam es zu einer Überhitzung der Brennstäbe. Das Wasser verdampfte und bald darauf lagen die Reaktorkerne frei. Es bildete sich Wasserstoff, der sich im Reaktorgebäude ansammelte. Durch die chemische Reaktion explodierten Blöcke 1 (12. März), Block 3 (14. März) und Block 4 (15.März), und eine große Menge radioaktiver Partikel wurden in die Luft geschleudert. Die freigesetzte Menge radioaktiver Strahlung ist zwar weitaus geringer als in Tschernobyl, dennoch hat sie weitreichende Folgen. (siehe Die Zeit, Bfs, DatF)

Nach einigen Tagen konnten die Reaktoren von außen gekühlt werden. Der damalige und mittlerweile verstorbene Leiter des Kraftwerks, Masao Yoshida, ordnete an, Meerwasser auf die Reaktoren zu speisen (siehe Artikel “Die Yoshida-Protokolle”). Er widersetzte sich damit den Anweisungen der Tepco-Leitung und sogar dem damaligen Premierminister Kan. (siehe Focus)

Trotz aller Bemühungen setzte in den Reaktoren 1 bis 3 eine Kernschmelze ein. Bis heute weiß man nicht genau, wie es im Inneren der Reaktoren aussieht.

Fukushima – ein zweites Tschernobyl?

Der radioaktive Niederschlag kurz nach der Katastrophe war weit außerhalb von Fukushima zu finden, selbst in Shizuoka, das unterhalb von Tokyo liegt. (siehe Spiegel) Ist etwa ganz Japan nicht mehr bewohnbar?!

Glücklicherweise doch, denn Strahlung verteilt sich nicht gleichmäßig. Bei dem Unfall in Tschernobyl blieb beispielsweise das nahegelegene Kiew verschont, andere weit entfernte Gebiete waren jedoch stark verstrahlt. Nach dem Reaktorunglück gelangten durch die Explosion die radioaktiven Teilchen in die Luft, wo sie sich mit Staubpartikeln verbanden, die sich wiederum mit dem Wind und dem Regen auf der Erde verteilten. So verbreiteten sie sich über ganz Europa (siehe Karte, 1998).

Karte: Strahlung in Europa durch Tschernobyl-Unglück

Karte: Strahlung in Europa durch Tschernobyl-Unglück

In Deutschland war vor allem der Süden betroffen und auch heute noch wird radioaktives Cäsium in Bayerns Wildbret gefunden. (Siehe LfU Bayern)

Die Menschen in Japan hatten großes Glück, dass der Wind nach dem Unfall die radioaktiven Staubpartikel größtenteils auf den Pazifik wehte. Trotzdem gibt es natürlich den Bereich um das AKW, der nicht betreten werden kann. Arbeiter dekontamieren die restlichen Teile der Präfektur. Außerdem nimmt die Strahlung langsam ab, hierzulande genauso wie in Japan sorgen Regen und Kernzerfall dafür, dass die Strahlung mit der Zeit weniger wird. (siehe Artikel “Die Radioaktivität nimmt ab”)

Auch wenn das Ausmaß der Katastrophe auf den ersten Blick ähnlich erscheinen mag, sind viele Umstände und Bedingungen jedoch sehr verschieden in Japan und Tschernobyl. In Japan hat es beispielsweise keine hunderte tausend Liquidatoren gegeben; die Schutzvorkehrungen sind besser und auch die Technik hat in den letzten 30 Jahren Fortschritte gemacht. Trotzdem muss sich die Regierung den Vorwurf gefallen lassen, die Menschen nicht früh genug gewarnt und evakuiert zu haben. Zumindest in diesem Punkt erinnert dieses bewusste Verschweigen der Tatsachen an die damalige Sowjet-Regierung, die nur sperrlich Informationen zu dem Unfall herausgab. Die Zeit wird zeigen, wieviele Opfer Fukushima tatsächlich fordert. Sicher ist nur, dass die Katastrophe weder in Fukushima noch in Tschernobyl überwunden ist. (siehe 3sat, zeitgeschichte online)

Aktuelle Messwerte in Fukushima

Die mittlere Ortsdosisleistung für Deutschland liegt bei 0,08 Mikrosievert pro Stunde. Allerdings gibt es auch Orte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wo die Werte bis zu 0,2 Mikrosievert pro Stunde betragen. Das sind die höchsten natürlichen Werte, die in Deutschland gemessen wurden.

Im Vergleich dazu liegt die Strahlung in Fukushima Stadt an den Messorten bei ca. 0,1 bis 0,4 Mikrosievert pro Stunde. Im allgemeinen befindet sich die Strahlung in Fukushima Stadt also im Rahmen, problematisch ist es nur an einzelen Stellen, wie beispielsweise dem Kinderspielplatz Morikôen im Park Shinobu yama mit Werten von 1,93 Mikrosievert pro Stunde. Es stellt sich die Frage, ob und wie solche Plätze gekennzeichnet werden. (siehe Bundesamt für Strahlenschutz, Radiation Map)

Wenn man von Fukushima spricht, meint man…

Der Begriff Fukushima hat sich in vielen Köpfen unauslöschbar mit der Atomkatastrophe verbunden. Was genau bezeichnet “Fukushima” eigentlich?

Japan teilt sich ähnlich wie Deutschland in kleinere Länder auf, in Präfekturen. Eine dieser Präfekturen heißt Fukushima. Diese wiederum gliedert sich in drei Regionen, Hamadôri, Nakadôri und Aizu. Besonders Hamadôri, die Küstenregion, wurde von dem Tsunami getroffen. Hier befindet sich auch die Sperrzone. Insgesamt nimmt sie weniger als 10% der ganzen Fläche der Präfektur ein.

Vereinfachte Karte von Fukushima

Vereinfachte Karte von Fukushima

links: Strahlung 2011 rechts: Strahlung 2014

links: Strahlung 2011
rechts: Strahlung 2014

Die Präfektur und die Stadt heißen also Fukushima, doch auch die Kernkraftwerke an der Küste in der Region Hamadôri heißen “Fukushima”. Genauer gesagt gibt es zwei Kraftwerke, Fukushima I (auch Fukushima Daiichi) und Fukushima II (Fukushima Daini). Die havarierten Reaktoren befinden sich in der Anlage Fukushima I.

Fukushima Kraftwerk

Fukushima Kraftwerk 

Nach dem Beben waren viele Verkehrswege gesperrt, heute ist ein Großteil von ihnen wieder in Betrieb. Das letzte Stück der Jôban-Autobahn (rechts auf der Karte grau eingezeichnet) wurde am 1. März diesen Jahres wiedereröffnet. Sie führt fast 15 km durch die Sperrzone. Nur die Jôban-Bahnstrecke, die parallel zu der Autobahn verläuft, ist noch nicht fertiggestellt, hier fehlt die Verbindung von Hamayoshida bis Sôma und von Haranomachi bis Tatsuta. Seit seit dem 31. Januar 2015 pendelt allerdings ein Ersatzbus zwischen Haranomachi und Tatsuta. (siehe Fukushima Minpo News)

Fukushima vor der Katastrophe

Jeder, der Fukushima hört, denkt zunächst zuerst einmal an radioaktive Verseuchung. Vor der Katastrophe stand der Name in Japan jedoch für leckeres Obst (Pfirsiche, Birnen) und Gemüse (Gurken, Tomaten) Reis und Sake sowie Fisch und Rind. Viele Inlandstouristen reisten nach Fukushima, um zu wandern, die heißen Quellen zu genießen, Kultur zu erleben z.B. bei der Poststation Ôuchi juku, oder Ski zu fahren im Winter.

Heute investiert Fukushima viel Geld und Kraft in eine großangelegte Imagekampagne, die Leute sollen wieder Vertrauen gewinnen.

Die Reise nach Fukushima

Am 27. Februar 2015 mache ich mich auf die Reise nach Fukushima und Miyagi. Ich möchte herausfinden, wie sich die Lage seit dem 11. März 2011 verändert hat. Wie leben die Menschen nach dem Atomunfall heute? Wie kommt der Wiederaufbau voran? Ich treffe verschiedene Interviewpartner: Hirokata Kanno und Makoto Saitô vom Tourismus- und Wiederaufbauzentrum Fukushima, Tomoyuki Tanji (LDP), Abgeordneter des Präfekturparlaments, Tatsuya Kaneko und Yasunobu Wadayama von der Präfekturverwaltung Fukushima (Abteilung für Land-, Forstwirtschaft und Fischereiwesen), Yoshihiro Sôma von der Industrie- und Handelskammer Fukushima, Shoei Otsuka, der Arbeit für Flüchtlinge vermittelt (JASSA) und Kôhei Tanaka (Name v. d. Autorin geändert), ein Flüchtling aus Namie. Außerdem besuche ich Kôji Tomoto, Mitbegründer einer hochmodernen Erdbeerfarm (GRA) in Yamamoto, Miyagi, sowie Fuchio Ôkôchi vom Toursimusverband Sôma der mich an Hideko Igarashi vermittelte. Sie verlor durch den Tsunami den Ehemann und Onkel sowie all ihr Hab und Gut.

Blick vom Bahnhof

Ostausgang Fukushima Hbf

Ostausgang Fukushima Hbf

Das Tourismus- und Wiederaufbauzentrum

In Fukushima besuche ich zunächst das Tourismus- und Wiederaufbauzentrum. Die Präfektur unterhält die Einrichtung und stellt den Touristen und Interessierten Informationen zum Wiederaufbau und zur gegenwärtigen Situation Fukushimas bereit.
Das Zentrum schlägt eine Brücke zwischen den Leuten, die helfen wollen, und denen, die ihre Hilfe brauchen.

Hirokata Kanno und Makoto Saitô nehmen sich Zeit für mich und erklären mir zunächst die jüngste Vergangenheit. Die größten Schäden gab es an der Küste, hier kommt der Wiederaufbau ganz unterschiedlich voran. In den Regionen Sôma und Shinchi sieht es schon ganz gut aus, genauso wie in Iwaki. Die Städte wachsen z.T. sogar, durch die große Zahl der Flüchtlinge. Um den Streifen von Haranomachi bis Hirono steht es jedoch nicht so gut, im Umkreis des Kraftwerks kommt der Wiederaufbau nur schleppend in Gang. “Sôma”, sagen sie, “ist schon vorangekommen im Wiederaufbau.” Dennoch können nach wie vor viele nicht in ihre Häuser zurückkehren. “Die meisten Menschen wundern sich, warum die Flüchtlinge in Fukushima bleiben. Wie Sie auf der Karte sehen können, ist nur ein kleiner Teil unbewohnbar. Die meisten leben jetzt in Iwaki, Fukushima Stadt, Koriyama, Nihonmatsu, Sugakawa und Aizuwakamatsu.”

Die größte Umstellung sei mitunter das Wetter. An der Küste ist es warm, nur selten fällt Schnee. Im Landesinneren kann man im Winter sogar Ski fahren. Daran müssen sich die Flüchtlinge erst einmal gewöhnen.

Wer etwas über die Situation vor Ort wissen will, der kommt hier in das Zentrum. Die meisten Besucher kamen 2013, und im Januar 2015 waren es insgesamt 27.000 Personen. Besonders im Großraumgebiet Tokyo interessieren sich viele für Fukushima. Doch die Zahlen nehmen langsam wieder ab. Für Kanno und Saitô ist der Alltag schon längst zurückgekehrt. “Vor der Strahlung hatten wir zu Beginn Angst, nachdem wir von der Explosion hörten. Aber jetzt, nein, jetzt denken wir eigentlich nicht mehr darüber nach.”

Politik und Katastrophe

Zurück am Bahnhof treffe ich den Abgeordneten Tomoyuki Tanji (LDP), der flink aus dem Auto steigt und mit großen Schritten auf mich zu kommt. Er begrüßt mich mit einem breiten Lächeln, und deutet mir an, mich in sein Auto zu setzen. Wir fahren zum nächsten Parkplatz. Ich müsse das Sushi-Restaurant in der Nähe des Bahnhofs kennenlernen, die Inhaber wissen eine Menge über die Stimmung in der Stadt.

Sushi in Fukushima, ich bin verunsichert. Die ältere Dame, die uns bedient, bekräftigt, der Fisch sei in Ordnung, gefangen werde sowieso um Hokkaido. “Wer tatsächlich so viel Angst hat, der soll eben nicht nach Fukushima kommen”, sagt sie rigoros. Sie jedenfalls hätte keine Angst, schließlich habe sie ja alles über Strahlung in der Schule gelernt. Ich nicke freundlich.

Tomoyuki Tanji ist seit 12 Jahren in der Politik, und natürlich hat sich sein Arbeitsfeld nach der Katastrophe verändert. “Meine Aufgabe”, so erzählt er, “besteht vor allem darin, Kontakt zu den Menschen in der Präfektur herzustellen und mit ihnen zu sprechen und ihre Sorgen zu kennen. Viele haben sich nach der Flucht aus den zerstörten und verstrahlten Gebieten in anderen Städten innerhalb der Präfektur angesiedelt, manche von ihnen haben genug Kraft und Mut, etwas Neues aufzubauen, aber viele ziehen sich aus Scham zurück und treten nicht in das gesellschaftliche Leben ein. Ich will ihnen wieder auf die Beine helfen.”

Nach dem Essen auf dem Weg zum Auto zeigt Tanji auf einen Laden neben dem Sushi-Restaurant. “Hier beispielsweise hat sich eine junge Mutter eine neue Existenz aufgebaut.” Allerdings sind diese Beispiele eher selten. Viele Mütter mit kleinen Kindern verließen die Stadt, doch die Männer mussten wegen ihres Arbeitsplatzes hier bleiben. Die Angst vor der Strahlung scheint doch nicht ganz vom Tisch zu sein.

Die Präfekturverwaltung

Wir fahren zur Präfekturverwaltung. Dort erwarten mich bereits Tatsuya Kaneko und Yasunobu Wadayama. Es geht um das Thema Schaden durch Gerüchte. Fukushima lebt vor allem von seiner Landwirtschaft, doch seit der Atomkatastrophe ging der Absatz der Produkte stark zurück.

Die Präfekturverwaltung

Präfekturverwaltung Fukushima

Präfekturverwaltung Fukushima

Die beiden Herren von der Präfekturverwaltung jeweils links und rechts außen, Tomoyuki Tanji in der Mitte und die Autorin.

Präfekturverwaltung - Werben für Fukushima

Präfekturverwaltung – Werben für Fukushima

An einen Tisch in einem Großraumbüro, zwischen Bergen von Akten und emsigen Beamten wird mir erklärt, wie sicher Fukushimas Obst und Gemüse sei. Kaneko, ein Herr mit weißem, vollem Haar, einer Zigarettenpackung in der linken Brusttasche und einem vertrauenserweckenden Blick, redet ruhig aber bestimmt auf mich ein: “Es wurde viel getan, die Erde wurde abgetragen, umgegraben, mit Kalium bestreut (Kalium und Cäsium verhalten sich chemisch ähnlich, der Körper erkennt den Unterschied nicht – Anm. d. Aut.) und mittlerweile zeigen die Mühen auch Erfolge. Alle Produkte bewegen sich unter den im April 2012 festgesetzten, gesetzlichen Richtwerten von 100 Bq Cäsium pro Kilo.” (siehe Min. f. Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt)

Immerhin – Kurz nach dem Unfall wurden die Grenzwerte vorübergehend hochgesetzt, bis auf das 20-fache der heutigen Werte. Zum Vergleich: die Richtwerte in der EU liegen bei 1.250 Bq pro Kilo. Hat das gegenwärtige Fukushima tatsächlich nur ein Imageproblem?

Seit 2011 ist viel passiert. In jedem Dorf steht inzwischen ein Messgerät. Alle für den Verkauf bestimmten Produkte werden streng kontrolliert, jede einzelne Tüte Reis, jedes Rind, jede Kaki wird getestet. Darüberhinaus können die Bauern auch Produkte für den Eigenverzehr dort messen lassen. (siehe Präfekturverwaltung)

Die größten Abnehmer für Obst und Gemüse aus Fukushima sind Tokyo und Osaka, 70% der Produkte gehen in diese Städte. Die berühmten Pfirsiche werden allerdings auch landesweit verkauft.

Doch trotz der Kontrollen bleiben die Verbraucher kritisch. Bei einer Umfrage in Tokyo, Osaka und den an Fukushima angrenzenden Präfekturen wurde festgestellt, dass 20% der Bevölkerung immer noch besorgt sind beim Kauf von landwirtschaftlichen Produkten aus Fukushima. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis der Produkte, und so kostet das Obst und Gemüse 20–30% weniger als aus anderen Präfekturen. Allerdings kommt es auch hier auf das einzelne Produkt an, Gurken werden beispielsweise fast wieder auf dem Niveau vor der Katastrophe verkauft.

Ein problematisches Produkt ist Fisch. Nur 4,6% der von der Katastrophe betroffenen Fischereien haben ihren Betrieb seit 2011 aufgenommen, im Vergleich dazu produzieren bereits 60,9% der Landwirte wieder. Der allgemeine Fischereibetrieb in Fukushima läuft ganz normal weiter, bis auf den Fischfang mit Grundschleppnetzen und der Küstenfischerei. Die Küste von Fukushima erstreckt sich über 160 km und beherbergt über 200 Sorten Fisch. Derzeit werden 58 verschiedene Sorten im Agratechnik-Zentrum Fukushima getestet. (siehe Testzentrum)

Nach Untersuchungen der Präfektur sind besonders Fische südlich vom AKW in einer Meerestiefe von 50 m betroffen, weiter nördlich fand man geringere Cäsiumwerte. Je nach Fischart schwankt zudem die Belastung. Meerestiere, die nah an der Meeresoberfläche leben und dort bleiben sind (im Gegensatz zu den Wanderfischen). Von Vertriebsbeschränkungen ist z. B. der Butt eingeschlossen. (siehe Präfektur, Fischerverband)

Mittlerweile hat man herausgefunden, dass Fisch Cäsium zwar aufnimmt, aber genauso wieder abstößt.

Aber auch hier helfen die Untersuchungen und Kontrollen nur bedingt, das Vertrauen der Verbraucher wieder aufzubauen. Den Einnahmeverlust durch den Imageschaden wird Tepco in Zukunft mit Zahlungen ausgleichen, der Antrag ist jedenfalls bereits gestellt. Bis das Geld allerdings tatsächlich fließt, werden die Verluste durch Steuergelder ausgeglichen. Ursprünglich wollte Tepco die Entschädigungszahlungen für Betriebe in der Evakuierungszone und die Umsatzeinbußen durch den Imageschaden nur noch bis Februar 2016 zahlen, doch wegen der Kritik von Seiten der Betroffenen wurde der Plan zunächst aufgegeben. Im März sollen revidierte Vorschläge vorgelegt werden. (siehe Kahoku News) Bisher hat Tepco von der Regierung eine Unterstützung von 4,8 Billionen Yen (ca. 36 Mrd. Euro) erhalten. (siehe Nikkei)

Die Aufgabe der Präfekturverwaltung jedenfalls besteht vor allem darin, zu prüfen, zu dekontaminieren und Fukushima als eine Marke zu etablieren, der die Menschen vertrauen. Die Zukunft wird zeigen, ob ihr das gelingt.  (Teil 2 morgen)

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One comment

  1. Reblogged this on Letterpetal and commented:
    a really good, indept work – and that is just the first part

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