Die Wahrheit über die Strahlung

Der “Kazuo-Hizumi-Preis” für Takashi Soeda

Der Preis geht an Personen, die aus der Perspektive der Bürger recherchieren und die Informationen offenlegen, u.a. auch zur Kontrolle der Regierung. Die Preisverleihung ging am 17. Juni in Tokyo zum dritten Mal in Runde. Der Haupt- und Förderpreis wurde jeweils Schriftstellern und Frauen verliehen, deren Werk das Thema Fukushima und die Atomkatastrophe behandelt.

Der Hauptpreis ging an Takashi Soeda (50), Autor des Buchs “Atomkraftwerk und Tsunami – Ignoranz einer Warnung” (Iwanami).

In der Begründung für die Preisverleihung hieß es aus dem Büro der Jury, dass “der Schriftsteller solide recherchiert und geheime Dokumente ans Tageslicht gebracht hat. Soeda landete eine Exklusivmeldung, als er aufgedeckte, dass Tepco und die Regierung mit einem Tsunami vor Fukushima gerechnet hatten.”

Auf die Bitte, seine Dokumentation zu veröffentlichen, lud Soeda sein wertvolles Material im Internet hoch. “Das ist bürgerfreundlicher Journalismus”, lobte das Preiskommittee.

Seit Soeda Ende der 1990ger Jahre als Zeitungsjournalist tätig war, weist er auf die Gefahren von Atomkraft und Erdbeben hin. Schließlich verliert er die Geduld, als der damalige Chef Tepcos, Takamasa Shimizu, kurz nach dem Tsunami 2011 in einer Pressekonferenz behauptet, dass die Welle weit größer als die Vorraussagen gewesen sei. “Das war keine Welle von nicht berechnenbaren Ausmaß; vielmehr hatte man versäumt, die alten Richtlinien zu überarbeiten”, empört sich Soeda.

Seitdem dokumentierte er, wie Tepco schon vor dem Erdbeben auf die Sicherheitslücke hingewiesen worden war. “In jüngster Zeit wurden viele neue Beweise gefunden. Ich möchte herausfinden, wer an dem Unfall Schuld ist, und ein Gesamtbild konstruieren. Es darf nicht wieder wie zuvor einfach die Verantwortung verschleppt werden.”

Genaue Informationen für Mütter

Den Förderpreis gewannen die Chefredakteurin Hideko Wada und Autorin Chia Yoshida des vierteljährig erscheinenden Magazin “Mamarebo”. Mamarebo wurde im Zuge einer Mütterinitiative zum Schutz der Kinder nach der Katastrophe ins Leben gerufen und brachte im Frühling 2012 das erste Magazin heraus. Von der Hauptstadt aus berichtet das Magazin über die Strahlung für Eltern.

Wada erklärt: “Nach dem Unfall dachten alle, der Staat würde uns beschützen, aber das tat er nicht. Es gab keine richtigen Informationen von den großen Medien, also fingen wir selbst an, darüber zu berichten. Ich wünsche mir, dass alle Mütter in Fukushima und auch die, die geflüchtet sind weiter mit mir an daran arbeiten.” (Tsujifuchi Tomoyuki)

Der Film “Fukushimas Lebewesen – ein Logbuch

Es ist das dritte Werk des Dokumentarfilmers Masanori Iwasaki (74); diesmal ist er den Tieren in Fukushima auf der Spur. Der Untertitel lautet “Verbreitung” und handelt davon, wie sich die Strahlung verteilt und sich auf die Tiere in den betroffenen Gebieten auswirkt. Der Filmdirektor Iwasaki (Gunzosha) sagt: “Nach dem AKW-Unfall wusste die Mehrheit nicht, was mit der Umwelt passiert. Deshalb ist es wichtig, die Wahrheit darüber zu erzählen. Ich möchte den Menschen zeigen, dass viele Forscher hart an dieser Wahrheit arbeiten.”

Iwasaki fährt seit April 2012 regelmäßig in die ehemalige Sicherheitszone und fotografiert oder filmt die Tiere dort. Sein erstes Werk heißt im Untertitel “Strahlung”, das zweite “Anormalie” – beide wurden im ganzen Land aufgeführt.

Das dritte Werk befasst sich mit der Gegend fünf Kilometer entfernt vom AKW. Hier leben keine Menschen mehr, nur noch Tiere wie Füchse, Waschbären und Affen. In dem Absperrgebiet leben viele Affenhorden, aber in Tschernobyl gibt es keine Affen: “Es gibt kein weiteres Beispiel von Affen, die in verseuchten Gebieten leben. Die Generation wechselt in 6-8 Jahren, vielleicht wird das die Menschen aufrütteln.”

Darüber hinaus fährt Iwasaki auch nach Kakuda Stadt oder Marumori Stadt, Präfektur Miyagi. Dort findet er Tiere, die Flecken an dem Hals haben, oder Schwalben, wo die Schwanzfedern abnormal gewachsen sind.

Außerdem verfolgte er die Forschungen von dem bekannten Professor Yuzuru Suzuki der Tokyo Universität über Karpfen, die in Teichen im Katastrophengebiet leben.

Auch erzählt Iwasaki von der akuten Verseuchung des berühmten Forellenfanggebiets im Chûzenji-See in Tochigi und einer japanischen Makrelenart in dem See Kasumigaura in Ibaraki.

Besonders interessant ist der “schwarze Stoff”, von dem im Film die Rede ist. Er sieht aus wie Schmutz und liegt auf Straßen, wenn man ihn misst, erhält man erstaunlich hohe radioaktive Werte. Um was handelt es sich hierbei? Forschern zufolge besteht der schwarze Stoff aus einer Mischung aus Blaualgen und Schmutz, der sich überall befindet. Die Bakterien, die sich in diesem Gemisch befinden, haben die Fähigkeit, die radioaktive Strahlung aufzusaugen.

Der Vorstand der NPO “Sonnenblumen Projekt” in Minami Sôma, Yôichi Ozawa, tritt auch in dem Film auf und erläutert: “die schwarzen Teilchen werden mit dem Wind mitgenommen und verbreiten sich so. Sie tauchten erst auf, nachdem dekontaminiert wurde.” In der Präfektur Chiba und in Tokyo werden diese Teilchen oft gesehen und verursachen dort Hot Spots.

Ideaki Koide von der Kyoto Universität, ehem. Assistenzprofessor im Forschungsreaktor Institut (KURRI) antwortet auf ein Interview: “Die Dekontaminierung ist nichts weiter als eine Verlagerung der Teilchen an einen anderen Ort, es ist Tatsache, dass man eigentlich nichts tun kann. Es bleibt nichts weiter übrig, als das Material im Gebiet des AKWs Fukushima II zu lagern.”

Die Katastrophe in Fukushima jährt sich bald zum fünften Mal, die Entschädigungszahlungen sollen begrenzt und der Normalzustand wieder hergestellt werden. Da kommt ein solcher Film genau zur rechten Zeit. Die Filmdauer beträgt 91 min und wurde in Tokyo im Juni gezeigt. (Tokyo Shimbun, 23.6.2015 Morgenausgabe S.4)

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