Strahlungsbelastung als Arbeitsunfall in Fukushima

Leukämie durch mehr als 5 mSv Strahlung

Erstmalige Anerkennung: Leukämieerkrankung eines Arbeiters gilt als Arbeitsunfall

Das Ministerium für Gesundheit und Arbeit hat am 20. Oktober einen Arbeitsunfall durch Strahlenbelastung als Ursache für Leukämie bei einem ehemaligen Arbeiter im AKW Fukushima Daiichi anerkannt. Damit tritt die Arbeitsunfallversicherung ein. Es ist das erste Mal, dass Leukämie anerkannt wird, seit Beginn der Aufräumarbeiten.

Bei dem Betroffenen handelt es sich um einen Mann, der bei Ausbruch der Krankheit Ende 30 war. Er hatte von November 2011 bis Dezember 2013 an verschiedenen Kernkraftwerken gearbeitet. Seit Oktober 2012 war für ein Jahr und einen Monat in Fukushima zuständig. Er vollrichtete Aufgaben wie ein Dach über den Reaktor zu bauen oder die verseuchte Kleidung der Arbeiter zu verbrennen.

Der Mann verspürte eine Verschlechterung seines körperlichen Zustands, nachdem er im Dezember 2013 Fukushima Daiichi verlassen hatte. Nachdem er die Diagnose Leukämie bekam, reichte er den Gesuch zur Anerkennung des Arbeitsunfalls ein. Er ist derzeit in Behandlung.

Leukämie als Arbeitsunfall wird nur dann anerkannt, wenn der Betroffene mehr als 5 mSv pro Jahr ausgesetzt ist (zum Vergleich: laut DAtF liegt der Mittelwert in Deutschland bei 2,1 mSv pro Jahr) und länger als ein Jahr vor dem Ausbruch der Krankheit vor Ort gearbeitet hat. Durch den Summationseffekt lässt sich eine Strahlenbelastung von 19,8 mSv bei dem Betroffenen feststellen. Davon lassen sich 15, 7 mSv auf die Arbeiten in Fukushima zurückführen.

Die Tomioka-Aufsichtsbehörde für Arbeit in Fukushima hat eingeräumt, u. A. auf Grundlage von Einschätzungen des Ministeriums für Gesundheit und Arbeit, dass es hochwahrscheinlich einen Zusammenhang zwischen der Leukämieerkrankung und der Strahlung in Fukushima gibt. Der Betroffene erhält die Behandlungskosten erstattet und bekommt eine Entschädigung für das ausfallende Einkommen.

Das Ministerium äußert sich dazu: „Die Anerkennung des Arbeitsunfalls soll vor allem dafür sorgen, dass der Betroffene die Zahlungen erhält. Es soll jedoch kein Beleg für den Zusammenhang von Strahlung und gesundheitlichen Schäden darstellen.“

Bis zu dem Atomunfall 2011 gab es landesweit 13 Fälle, bei denen Leukämie und bösartige Lymphknotengeschwülste anerkannt wurden. Arbeiter im Werk Fukushima Daiichi reichten bisher bereits acht Anerkennungsgesuche ein. Drei davon wurden abgelehnt, einer wurde widerrufen und die restlichen drei sind in Untersuchung.

Die PR-Abteilung Tepcos äußert sich

Die Arbeiter dürfen nicht über ihre Gesuche sprechen. Wir werden weiterhin bemüht sein, die Arbeitsumstände zu verbessern und die Strahlenexposition zu verringern.

Bei anderen Krebsarten sind 100 mSv Standard

Die Arbeiter freuen sich über die Anerkennung der Leukämiekrankheit ihres Mitstreiters. Trotzdem geht der Kampf gegen die Strahlen am Unfallort weiter. Es gibt viele Probleme, z.B. dass andere Krebsarten viel weniger anerkannt werden.

Eine Bedingung für die Anerkennung von Leukämie ist ein Jahreswert von über 5 mSv. In Fukushima Daiichi gibt es 20 000 Arbeiter, auf die dieses Kriterium zutrifft. Allein im Unfalljahr 2011 waren es bereits 10 000 Personen.

Im Falle von Leukämie kann man sich auf gute medizinische Behandlung verlassen. Bei Magenkrebs jedoch sind die Bedingungen für eine Anerkennung ungleich schwerer, der Betroffene muss nachweislich über 100 mSv Strahlung aufgenommen haben.

Die Arbeiter beklagen sich: „Was ist, wenn wir Krebs bekommen? Sie sollten klare Richtlinen festsetzen.“ Ein anderer Arbeiter sagt: „Wir arbeiten unter Einsatz unseres Lebens in Fukushima. Es wäre wünschenswert, wenn der Staat uns dafür auch die Sicherheit für die Behandlung gibt.“

Einer der Arbeiter hat an drei Stellen Krebs, doch er war weniger als 100 mSv Strahlung ausgesetzt, und so wird die Krankheit nicht als Arbeitsunfall anerkannt. Wie er beklagen auch andere, dass sie an Orten gearbeitet haben, an denen Messgeräte mit geringen Messwerten aufgestellt waren. Die wahre Strahlung lag dabei viel höher.

Die Strahlung ist durch das Aufräumen des Schutts weniger als zu Beginn geworden. Mittlerweile hat die Strahlenbelastung der Arbeiter abgenommen, denn sie arbeiten am Straßenpflaster oder bei den Tanks.

Aber in naher Zukunft müssen die Reaktoren geklärt werden. Ein Veteran sagt: „Ab nächstem Jahr werden die Arbeiten unter hoher Strahlenbelastung zunehmen. Wenn die Zahl der Erkrankungen steigt, wird auch die Zahl der Arbeitsausfälle steigen.“ (Natsuko Katayama)(Tokyo Shimbun, 21.10.2015, Morgenausgabe S.1)

 

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