Überblick über die Neuigkeiten im September (Auswahl)

1. 9. Regierung will bis 2021 die Evakuierungsanweisungen der stark verstrahlten Zonen aufheben. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die betroffenen sieben Städte und Gemeinden dekontaminiert und eine funktionierende Infrastruktur aufgebaut werden. Noch steht nicht fest, wie die Kosten zwischen Tepco und dem Staat aufgeteilt werden. (s. 3)

2. 9. Ein Taifun brachte starke Regenfälle, die die Eiswand im AKW Fukushima Daiichi an zwei Stellen zum Schmelzen brachten. Tepco versucht nun, diese Lücken wieder zu schließen. (s. 1)

2. 9. Im Dezember dieses Jahres will die Regierung eine Landkarte mit möglichen Endlagern vorstellen. Die Tokyo Shimbun interviewt dazu Professor em. für Sozialwissenschaft Imada Takatoshi (Tokyo Institute of Technology), unter dessen Federführung das Science Concil of Japan einen Vorschlag zur Endlagerung eingereicht hatte. Imada betont, dass die Regierung bei ihren Plänen zur Endlagerung in 300 m Tiefe kein Verständnis der Bevölkerung erwarten kann. Er fordert mehr Debatten zwischen der Wissenschaft und den Bürgern untereinander und kritisiert das Vorgehen der Regierung, unoffizielle Informationsveranstaltungen zur Endlagerung in den jeweiligen Städten abzuhalten. Ein Inbetriebsetzen der AKWs ohne eine geklärte Endlagerung ist laut Imada nicht nachzuvollziehen. (s. 3)

8. 9. Momentan sind landesweit drei Atomreaktoren in Betrieb, u. a. das Kraftwerk in Sendai, Kagoshima in Kyushu, wobei das Kraftwerk in Sendai in den nächsten drei Monaten planmäßig kontrolliert wird. Der Governeur der Präfektur Kagoshima, Mitazono Satoshi, hat nun zum zweiten Mal die Stilllegung des Kraftwerks gefordert. Der Betreiber Kyuden zeigt sich zwar kooperativ im Ausbau von Fluchtwegen und Evakuierungsplätzen, aber regierte nicht bisher nicht auf diese Forderung. (s. 2)

11. 9. Fünfeinhalb Jahre nach der Katastrophe sind viele der Probleme bei den Aufräumarbeiten noch immer nicht gelöst. Das Gebiet um das AKW Fukushima Daiichi ist überfüllt mit Tanks, in denen das verseuchte Kühlwasser lagert. Zumindest wurden jedoch die leckenden Tanks gegen modernere, stabilere Modelle ausgetauscht. Mittlerweile sind es circa 1000 Stück, die 900 000 t Wasser speichern. Unter den Gebäuden befinden sich weitere 70 000 t verseuchtes Wasser. Immerhin wird mittlerweile Cäsium und Strontium herausgefiltert, womit ein Gefahrenfaktor gebannt ist. Doch solange die Reaktorkerne mit Wasser gekühlt werden, entsteht weiteres verseuchtes Wasser, das nur zur Hälfte als Kühlwasser wiederverwertet wird. Der Rest sammelt sich in den Tanks, Woche für Woche circa 3000 t. Es lagen große Hoffungen auf dem Eiswall, doch auch dieser kann den Zufluss zum Grundwasser nicht verhindern. Ursprünglich plante Tepco bis zur Olympiade 2020 das verseuchte Grundwasser um 90 % zu verringern, mittlerweile zweifelt selbst die NRA an der Umsetzbarkeit dieses Vorhabens. (s. 2)

fukushimasep2016

Die Tanks um das Kraftwerk in Fukushima Daiichi (Tokyo Shimbun, 11.9.2016, S.1)

16. 9. Tepco trägt momentan alle Last bei der Entschädigung der Opfer der Atomkatastrophe. Doch das soll sich in Zukunft vielleicht ändern: ein Expertenausschuss der Regierung arbeitet derzeit an einem Entwurf zur Entlastung des Konzerns. Eine begrenzte Verantwortung könnte jedoch zu unverantwortungsvollem Handeln verleiten. Deutschland hat derweil seine Reglungen von einer begrenzten zu einer unbegrenzten Haftung geändert.

22. 9. Die Regierung bringt die endgültige Stilllegung des schnellen Brüters Monju auf den Tisch. Bis Ende des Jahres soll ein Regierungsausschuss eine Entscheidung treffen. Das AKW hat bisher über 1 Billionen Yen (9 Mrd. Euro) verschlungen, eine Wiederinbetriebnahme würde weitere 100 Mrd. Yen kosten. Stattdessen soll eine Weiterentwicklung des Forschungsreaktors Jôyô in Ibaraki mit der Unterstützung Frankreichs angestrebt werden.

23. 9. Durch mehrere Taifune mit starken Regenfällen steigt das versuchte Grundwasser rasant an. Man versucht durch Abschöpfen des Wassers den Zufluss zum Meer zu stoppen.

Weiterführende Artikel:

SZ: Teure Atompolitik

FAZ: Japan will schnellen Brüter Monju aufgeben

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