Reaktor 2 im AKW Fukushima Daiichi: Bilder aus dem Inneren des Druckbehälters

Am 30. Januar  stieß Tepco bei Untersuchungen mit einer Kamera auf eine schwarze Masse am Metallgerüst auf dem Boden des Reaktors 2  im AKW Fukushima Daiichi. Falls sich die Vermutungen bestätigen, wären das die ersten Aufnahmen von geschmolzenem Brennstoff überhaupt.

In den frühen Morgenstunden führte Tepco ein Rohr mit einer Kamera (ca. 10,5 cm) in den Reaktorbehälter ein und machte Auffnahmen vom Fußgitter (ca. 20 m²), das sich 5 m tief im Bauch des Reaktors befindet. Auf den Bildern erkennt man im schwarzen Netzmuster die Metallstäbe, um die sich ein bereits erhärteter Schlamm abgelagert hat. Trifft Licht auf diese teilweise zentimeterdicke Masse, reflektiert sie dieses und erscheint weiß auf den Bildern. Aus noch unbekannten Ursachen sind einige Teile des Metallgitters nicht mehr vorhanden.

Debris.jpg

Ein Tepco-Beaufragter erklärt: “Bevor wir keine Proben genommen haben, können wir zum jetztigen Zeitpunkt nicht abschließend klären, ob es sich tatsächlich um geschmolzenes Brennmaterial handelt oder nicht.”

Der Steuerstabantrieb, der sich im Druckreaktor befindet, hat offensichtlich keinen Schaden genommen. “Die Schäden im Reaktorbehälter sind möglicherweise nur gering”, sagt der Tepco-Beauftragte, wobei nur ein kleiner Teil untersucht werden konnte.

Mithilfe eines selbstfahrenden Roboters mit Kamera will Tepco Mitte Februar weitere Untersuchungen starten. Dabei sollen die Strahlung, der Schutt und die geschmolzene Masse näher untersucht und analysiert werden. Die Bilder vom 30. Januar dienten der Vorbereitung, und sollten Aufschluss darüber geben, ob es Hindernisse für den Roboter im Inneren des Reaktors gibt. →Tepco Aufnahmen hier.

Schwierige Bergung

Falls sich bestätigen sollte, dass es sich bei dem Fund im Reaktor 2 um geschmolzenes Brennmaterial handelt, bedeutet das einen Lichtblick für die 30-40 Jahre dauernden Rückbauarbeiten. Kurz nach der Katastrophe betrug dort die Temperatur um 2000 ºC, doch nach sechs Jahren Kühlung ist das Material erhärtet und gibt Grund zur Hoffnung.

Andererseits bleiben viele Fragen offen: wo ist das restliche Brennmaterial, wie soll die Masse geborgen werden…? Zunächst muss Tepco um die Arbeiten voranzubringen möglichst viele Erkenntnisse zusammentragen, dann kann über konkrete Bergungsmaßnahmen nachgedacht werden. Die Untersuchungen stehen gerade erst am Anfang.

Ein weiteres Problem ist die hohe Strahlung (73 Sv/h), die immer noch im Reaktorinneren herrscht. Wäre man selbst einem Teil dieser Strahlung ausgesetzt, führte das zum sofortigen Tod. Die Frage ist also, wie man das Material sicher birgt. Eine Möglichkeit wäre, den Druckbehälter oder den ganzen Reaktor mit Wasser zu füllen. Doch da dieser an vielen Stellen Schäden aufweist, würde in der Folge radioaktives Wasser austreten.

Tepco und die Regierung haben beschlossen, noch in diesem Jahr einen Fahrplan für die Bergung des Materials zu verabschieden, nachdem die Arbeiten im Jahr 2021 aufgenommen werden sollen. Unklar bleibt, mit welcher Technik man diesen noch unkonkreten Plan umsetzen will. Zunächst soll der Fahrplan als Zielmarke dienen. Es bleibt also keine andere Möglichkeit, als das Problem Stück für Stück zu bezwingen. (von Yamakawa Takeshi, Tokyo Shimbun, 31.1.2017 Morgenausgabe S.1)

Weitere Links: NHK Englisch 1; NHK Englisch 2

Deutsche Medien: Heise; ntv

Tepco: ArchivArchiv

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