Sechs Jahre danach – Angst aus dem tiefsten Innern

Am heutigen Tag, dem 11. März 2017 jährt sich die Dreifachkatastrophe zum sechsten Mal. Neben Gedenkveranstaltungen von der Regierung und vielerorts abgehaltenen Gottesdiensten, findet um 14:46 Uhr eine Trauerfeier für die Opfer der Katastrophe statt.

Fukushima11022017

Als ob es einem die Luft abschnürte – so fühlte es sich an, als auf dem krisseligen Bildschirm das schwarze Loch auftauchte.

“Wasser!”, “geht nicht!”, “was ist mit dem Abzug?!”, mit einem Mal laufen die dramatischen Stunden nach der Kernschmelze wieder vor dem inneren Auge ab.

Im Januar dieses Jahres hat eine Kamera das Innere des Reaktors 2 im AKW Fukushima Daiichi aufgenommen. Auf den Aufnahmen sah man ein Loch im Stahlgitter, das sich direkt unter dem Reaktorkern befindet. Ungefähr 1,4 qm ist das Loch groß, um das sich anscheinend heruntergefallenes geschmolzenes Kernmaterial festgesetzt hat. Durch das Erdbeben und die darauffolgende Tsunami-Welle setzte die Kühlung aus und die Kernschmelze begann. Dass glühendes Brennmaterial ein solches Loch ein Gerüst brennen kann, ist nicht weiter verwunderlich. Erst jetzt, sechs Jahre nach der Katastrophe, sind wir der Wahrheit endlich ein Stück näher.

Viele Strahlungsflüchtlinge leiden noch immer unter den Folgen der Katastrophe und auch das verseuchte Kühlwasser nimmt stetig zu. Weder die Landwirtschaft noch die Fischerei kann wieder in Gang gebracht werden. Einmal mehr zeigt sich, dass sich der Ursprung allen Leids hier im Reaktor befindet. Von den Aufnahmen ausgehend wird der Strahlungswert im Inneren auf max. 650 Sievert geschätzt. Würde man sich der Strahlung aussetzen, wäre man nach 40 Sekunden tot. Der Abstand zwischen dem Gitter und dem Boden des Reaktorbehälters beträgt nur drei Meter, doch es sieht aus wie ein schwarzes klaffendes Loch. Im Februar hatte Tepco einen Erkundungsroboter Sasori (Skorpion) in das Innere geschickt. Die Maschine, an der jahrelang getüftelt wurde, bleibt wenige Meter vor dem Erreichen des Gerüsts bewegungslos stehen. Wie es ober- und unterhalb des Lochs aussieht, ist nicht mehr erkennbar.

Die Regierung wollte eigentlich bis zum Sommer dieses Jahres eine Richtlinie für die Bergung der Brennstäbe in den Reaktoren 1-3 vorlegen, doch ein Regierungsmitarbeiter sagt: “Es ist viel schwieriger als gedacht. Man weiß nicht, was man überhaupt sagen darf und was nicht.”

Es wird wohl 40 Jahre dauern, bis der Rückbau vollbracht ist. Dies ist die Rechnung dafür, die Dinge immer auf die Zukunft zu verschieben.

Tepco bewertet den Befund des Lochs als “einen großen Schritt” nach vorn. Hoffen wir, dass sie Recht behalten. Mehr Fehler dürfen jedenfalls nicht mehr passieren. Bevor man einen Schritt nach vorne nimmt, sollte man nicht vergessen, dass man lange vor einem riesen Abgrund gestanden hat. (Tadasu Nagai, Tokyo Shimbun, 11.3.2017 Morgenausgabe S.1;30)

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